Gastvortrag von Peter Sloterdijk

Donnerstag, 8. Oktober 2026, 19:15–20:45 Uhr, Kreuz+Quer Erlangen

Peter Thiel hält Vortragsreihen über den Antichristen – und meint damit demokratische Verfahren und ihre Bürokratie. Ein ehemaliger Intel-CEO bewirbt ein »christliches Sprachmodell«, das die Wiederkunft Christi beschleunigen soll. In sozialen Netzwerken kursieren KI-generierte Bilder, auf denen politische Akteure als Märtyrer und gottgesandte Führungsfiguren erscheinen, verbreitet mitunter über offizielle staatliche Accounts.

Das sind keine Randerscheinungen der digitalen Kultur. In ihnen verschiebt sich etwas Grundsätzliches: Politische Autorität wird nicht mehr nur beansprucht, sie wird religiös überhöht – und technologisch verlängert. KI tritt dabei weniger als Hilfsmittel demokratischer Entscheidungsfindung auf denn als vermeintlich überlegene Form politischer Steuerung, die von menschlicher Irrationalität, Konflikthaftigkeit und Langsamkeit befreien soll. Faktisch wird sie damit zum säkularisierten Heilsversprechen, während demokratische Aushandlungsprozesse als träge, relativistisch und ordnungsschwach delegitimiert werden. Was sich so formiert, ist eine Trias aus Künstlicher Intelligenz, Demokratie und christlich codierten Symbolbeständen, in der Fragen von Ordnung und Legitimität nicht nur verhandelt, sondern strukturell verankert werden.

Eine Tagung zum Thema

Genau dieser Konstellation widmet sich die Tagung »Heilsversprechen und Herrschaftstechnologien: Demokratie und Künstliche Intelligenz im Horizont christlicher Deutungsmuster«, die am 8. und 9. Oktober 2026 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg stattfindet. In fünf Panels bringt sie Wissenschaftler:innen aus Theologie, Philosophie, Medienwissenschaft und journalistischer Praxis zusammen, um zu klären, was Theologie und theologische Ethik zur kritischen Analyse dieser Dynamiken beitragen können – gerade weil sie über eine lange Tradition der Auseinandersetzung mit Herrschaftslegitimation und mit religiös oder quasireligiös begründeten Ordnungsansprüchen verfügen. Gefördert wird die Tagung von der Fritz Thyssen Stiftung.

Gastvortrag von Peter Sloterdijk

Wenige haben sich diesen Fragen so ausdauernd gewidmet wie Peter Sloterdijk. Sein Werk kreist seit Jahrzehnten um die Frage nach dem Souverän, um die religiösen Bestände, aus denen politische Ordnungen ihre Legitimität beziehen, und um die Verwerfungen, die entstehen, wenn diese Bestände in säkularen Zusammenhängen weiterwirken, ohne noch als religiös kenntlich zu sein.

In seinem jüngsten Buch Der Fürst und seine Erben. Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute (Suhrkamp 2026) liest er Machiavelli neu, um den gegenwärtigen Autoritarismus zu vermessen: charismatische Macht, das Paradox der Souveränität, eine, wie er es nennt, verwilderte Vertikalität. Eine Diagnose, die mitten in das Thema der Tagung führt.

Der Abendvortrag von Sloterdijk ist öffentlich und kostenlos.

Wann: 08. Oktober 2026, ab 19:15 Uhr

Wo: Kreuz+Quer, Bohlenplatz 1, 91054 Erlangen

Um Anmeldung per Mail (max.tretter@fau.de) wird gebeten.